Von möglichen Trends, abgefahrenen Zügen und sonstigen Begebenheiten

Aus wirtschaftlicher Sicht ist unbestreitbar, dass Apple in letzter Zeit so einiges richtig gemacht hat. Über die Qualität und das Preis-/Leistungsverhältnis der Produkte mag man streiten, aber wenn die Herrschaften aus Cupertino zwei Dinge fest etabliert haben, dann sind das wohl diese:

1. Musik kauft man bequem und online

2. Anwendungen/Spiele (Apps) kauft man bequem online

Auf den ersten Zug springt nun auch canonical, die Firma hinter der recht bekannten und beliebten Linuxdistribution Ubuntu, auf. In Zusammenarbeit mit 7digital wird dabei ein durchaus konkurrenzfähiges Angebot bereit gestellt. (Laut ubuntuxx ist das Preismodell allerdings noch nicht sinnvoll internationalisiert – so kosten manche Songs in den USA 99Cent, hierzulande 1,49 Euro.)

Nichtsdestotrotz könnte die Einbindung eines eigenen Music Stores in die Standardmusikanwendung von Ubuntu (Rhythmbox) durchaus geeignet sein, canonical ein paar Einnahmen zu bescheren. Gerade diese Einnahmen dürften wohl auch der Grund dafür sein, dass man einen kommerziellen Music Store eingebaut hat, und nicht etwa eine einfache und bequeme Anbindung an große Creative Commons Seiten wie etwa jamendo, was letztlich doch besser zum Open Source Gedanken passen würde.(siehe Kommentare)

Auf den zweiten Zug sind mittlerweile ja alle größeren Handyplattformen aufgesprungen, von Android über Palm bis hin zu Windows mobile. Dabei scheint insbesondere Microsoft ein großes Manko von Apple zu kopieren: Aufgrund einer angedachten Lock-in Strategie werden keine nativen Anwendungen mehr für WiMo Phones zugelassen. So wird es beispielsweise künftig einer slashdot Meldung zufolge keinen Firefox für Windows mobile mehr geben. Anwendungen sollen stattdessen mit dem Microsoft eigenen Flash-Klon “Silverlight”, XNA oder .Net compact entwickelt werden. Ob das sinnvoll ist, wird die Zukunft zeigen. Bei Apple führten ähnliche Beschränkungen letztlich dazu, dass der App Store zwar ein Erfolg wurde; nebenher entwickelte sich aber unter dem Stichwort “Jailbreak” eine doch recht umfangreiche Schattenwirtschaft für iPhone-Anwendungen.

Mit Spannung wird auch zu verfolgen sein, was Google diesbezüglich in nächster Zeit vorhat. Mit dem Google marketplace wurde jüngst ja eine sehr vielversprechende Plattform für browserbasierte Desktopanwendungen vorgestellt. Insbesondere scheint Google dabei von Apple gelernt zu haben, dass eine derartige Plattform am Besten bereits zu Beginn viele interessante Anwendungen bereithalten muss, so sie denn erfolgreich sein will. Ein Fehler, der wohl Palm zum Verhängnis werden dürfte.

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2 Antworten zu “Von möglichen Trends, abgefahrenen Zügen und sonstigen Begebenheiten”

  1. greg luca sagt:

    Hallo,

    sicherlich ist ihnen bei ihrem scheinbar oberflächlichen Blick auf Ubuntu entgangen, dass nicht nur der kommerzielle Online-Music-Store in Rhythmbox vertreten ist, sondern ebenfalls Jamendo und ein weitere freie Plattform: Magnatune (15,- $ pro Monat, 50% davon gehen an die Künstler), sowie Last.fm.

    Insofern ist dem OpenSource-Gedanke Rechenschaft getragen worden. Inwiefern sich Canonical als kommerzielle Firma immer wieder erklären muss, wenn es ums Verdienen geht, ist mir allerdings grundsätzlich schleierhaft.

  2. UGroebner sagt:

    Das ist mir leider tatsächlich entgangen…
    Falls der Beitrag zu canonical-feindlich geklungen haben sollte, so tut mir das leid. Ubuntu ist ein großer Gewinn für die Betriebssystemwelt und ein wichtiger Schritt für die Open Source Bewegung. Und natürlich darf die Firma dahinter auch rentabel sein/werden.
    Ich fand die Meldung auch vorrangig im beschriebenen Kontext recht interessant. Das Geschäftsmodell von Open Source Vermarktern war bislang ja hauptsächlich auf Support und Consulting beschränkt. Insofern ist das durchaus ein interessanter Schritt.

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